Lithium Orotate

Lithium: Vom psychiatrischen Medikament zum Forschungsobjekt

Lithium ist eines der ältesten und am besten erforschten Elemente in der Psychiatrie. Seit seiner Einführung in die klinische Praxis im Jahr 1949 durch den australischen Psychiater John Cade wird es als Stimmungsstabilisator zur Behandlung bipolarer Störungen eingesetzt. Dabei handelt es sich um hochdosiertes Lithiumcarbonat - ein verschreibungspflichtiges Arzneimittel mit engem therapeutischem Fenster und bekannten Nebenwirkungen auf Schilddrüse und Nieren.

Doch Lithium ist mehr als ein Medikament. Es ist ein natürlich vorkommendes Alkalimetall, das in Gesteinen, Böden, Grundwasser und damit auch in unserer Nahrung und unserem Trinkwasser enthalten ist. Die Konzentrationen variieren je nach geologischer Beschaffenheit einer Region erheblich.

In den letzten Jahrzehnten hat sich ein eigenes Forschungsfeld entwickelt, das sich nicht mit der hochdosierten psychiatrischen Anwendung beschäftigt, sondern mit einer grundlegenden Frage: Welche Rolle spielt Lithium als natürlich vorkommendes Element für die Gesundheit des Gehirns?

Lithium als natürlich vorkommendes Element

Lithium ist in nahezu allen Gesteinen enthalten und gelangt durch Verwitterungsprozesse in Böden, Grundwasser und Oberflächengewässer. Von dort findet es seinen Weg in die Nahrungskette. Getreide und Gemüse enthalten typischerweise 0,5 bis 3,4 mg Lithium pro Kilogramm, Milchprodukte etwa 0,5 mg/kg und Fleisch rund 0,012 mg/kg.

Die tägliche Lithiumaufnahme über die Nahrung wird auf etwa 0,5 bis 3 mg elementares Lithium geschätzt, abhängig von Ernährungsgewohnheiten und dem Lithiumgehalt regionaler Lebensmittel und Trinkwasserquellen. Ein offizieller Tagesbedarf (RDA) ist bisher nicht festgelegt, da Lithium von den meisten Behörden nicht als essentielles Spurenelement eingestuft wird.

Dennoch wird in der wissenschaftlichen Literatur seit Längerem diskutiert, ob Lithium möglicherweise als essentielles Spurenelement betrachtet werden sollte. Mehrere Forscher, darunter der Biochemiker Gerhard Schrauzer, haben bereits in den 1990er Jahren auf mögliche biologische Funktionen von Lithium in Spurenkonzentrationen hingewiesen.

Eine viel beachtete Studie der Harvard Medical School, veröffentlicht im August 2025 im Fachjournal Nature, hat diese Diskussion auf eine neue Ebene gehoben. Die Forscher um Bruce Yankner konnten erstmals zeigen, dass Lithium natürlich im menschlichen Gehirn vorkommt und dort dynamisch reguliert wird.

Yankner verglich die Rolle von Lithium im Gehirn mit der anderer Mikronährstoffe wie Eisen oder Vitamin C. Diese Einschätzung ist jedoch wissenschaftlich noch nicht konsensfähig - Lithium wird von Fachgesellschaften wie der DGE oder der EFSA bislang nicht als essentieller Nährstoff eingestuft. Ob und in welchem Umfang Lithium eine eigenständige biologische Funktion im Gehirn erfüllt, ist Gegenstand laufender Forschung. [Aron et al., Nature, 2025]

Lithium im Trinkwasser: Die epidemiologische Forschungslage

Seit den 1990er Jahren untersuchen epidemiologische Studien weltweit den Zusammenhang zwischen natürlich vorkommenden Lithiumkonzentrationen im Trinkwasser und verschiedenen Gesundheitsparametern. Die Ergebnisse haben ein bemerkenswertes Muster ergeben.

Lithium und Suizidraten

Eine systematische Übersichtsarbeit und Meta-Analyse, veröffentlicht 2020 im British Journal of Psychiatry, umfasste 15 ökologische Studien aus verschiedenen Ländern in der qualitativen Synthese, von denen 9 in die Meta-Analyse eingeschlossen wurden. Das Ergebnis: Es besteht ein konsistenter inverser Zusammenhang zwischen höheren Lithiumkonzentrationen im Trinkwasser und niedrigeren Suizidraten auf Bevölkerungsebene. Dieser Zusammenhang wurde sowohl für die Gesamtbevölkerung als auch für Männer und Frauen getrennt beobachtet. [Memon et al., Br J Psychiatry, 2020]

Studien aus Japan, Italien, Griechenland, Österreich, dem Vereinigten Königreich, Ungarn und den USA zeigen ähnliche Trends. Regionen mit höherem Lithiumgehalt im Leitungswasser weisen tendenziell niedrigere Suizidraten auf.

Wichtiger Hinweis: Es handelt sich um Korrelationsstudien auf Bevölkerungsebene (ökologische Studien). Korrelation bedeutet nicht Kausalität. Die Studien können nicht belegen, dass das Lithium im Trinkwasser ursächlich für die niedrigeren Raten verantwortlich ist. Andere Faktoren könnten eine Rolle spielen.

Lithium und kognitive Gesundheit

Auch im Bereich der Demenzforschung gibt es Hinweise aus Bevölkerungsstudien. Eine systematische Übersichtsarbeit von 2024, veröffentlicht im International Journal of Bipolar Disorders, analysierte fünf große Bevölkerungsstudien mit insgesamt mehreren Millionen Teilnehmern. Die Mehrzahl der Studien fand einen Zusammenhang zwischen höheren Lithium-Spurenkonzentrationen im Trinkwasser und einem geringeren Demenzrisiko. [Duthie et al., Int J Bipolar Disord, 2024]

Interessant ist, dass dieser Zusammenhang bereits bei sehr niedrigen Konzentrationen beobachtet wurde - deutlich unter den Dosierungen, die in der klinischen Psychiatrie verwendet werden. Die Autoren betonen jedoch, dass nach Kontrolle für Begleitfaktoren (sogenannte Confounder) die Zusammenhänge in einigen Studien an Signifikanz verloren.

Lithium und psychische Gesundheit bei Jugendlichen

Eine japanische Studie an Jugendlichen aus der Allgemeinbevölkerung fand einen inversen Zusammenhang zwischen Lithiumkonzentrationen im Leitungswasser und psychotischen Erfahrungen sowie psychischem Stress. Die Autoren beschreiben dies als erste Studie dieser Art an einer allgemeinen jugendlichen Bevölkerung. [Shimodera et al., Schizophr Res, 2018]

Die Harvard-Studie 2025: Lithiummangel und die Entstehung von Alzheimer

Im August 2025 veröffentlichte das Team um Bruce Yankner von der Harvard Medical School eine Studie im Fachjournal Nature, die das Verständnis von Lithium in der Neurowissenschaft grundlegend erweitert hat. Die Ergebnisse dieser fast zehn Jahre dauernden Forschungsarbeit:

  • Lithium ist das einzige Metall, das sich bei leichter kognitiver Beeinträchtigung (MCI) im Gehirn signifikant verändert. Von 27 untersuchten Metallen war Lithium das einzige, dessen Konzentration im präfrontalen Kortex bei MCI-Patienten statistisch signifikant reduziert war.
  • Amyloid-Plaques binden Lithium. Bei fortgeschrittener Alzheimer-Erkrankung wird das verbleibende Lithium zusätzlich durch Amyloid-Beta-Ablagerungen gebunden, was seine Bioverfügbarkeit weiter reduziert.
  • Lithiummangel beschleunigt Alzheimer-Pathologie in Tiermodellen. Wenn Forscher die Lithiumzufuhr bei Mäusen (sowohl gesunde als auch Alzheimer-Modelle) reduzierten, kam es zu einem deutlichen Anstieg von Amyloid-Plaques, Phospho-Tau-Akkumulation, Entzündungsreaktionen der Mikroglia, Synapsenverlust und kognitivem Abbau.
  • Lithium Orotatee konnte die Pathologie in Mäusen rückgängig machen. Die Gabe von Lithium Orotate über das Trinkwasser reduzierte in den Tiermodellen die Amyloid-Plaque-Last und Tau-Ablagerungen, stellte Synapsen wieder her und verbesserte die Gedächtnisleistung - selbst bei älteren Mäusen mit fortgeschrittener Erkrankung. Lithiumcarbonat zeigte diese Wirkung im selben Versuchsaufbau nicht, da Amyloid-Beta-Plaques Lithiumcarbonat stärker binden als Lithium Orotate.
  • Niedrige Dosierung im Tiermodell. Die im Mausmodell eingesetzte Dosis lag bei einem Tausendstel der üblicherweise in der Psychiatrie verwendeten Lithiumcarbonat-Dosis. Bei Mäusen, die nahezu ihr gesamtes Erwachsenenleben behandelt wurden, beobachteten die Forscher keine Anzeichen von Toxizität.

[Aron et al., Nature, 2025]

Wichtiger Hinweis: Diese Ergebnisse stammen aus Tiermodellen und post-mortem Analysen menschlicher Gehirne. Klinische Studien am Menschen stehen noch aus. Yankner plant eine klinische Studie, deren Ergebnisse abzuwarten bleiben. Eine Extrapolation der Maus-Ergebnisse auf den Menschen ist zum jetzigen Zeitpunkt nicht zulässig.

Lithiumorotat vs. Lithiumcarbonat: Zwei grundlegend verschiedene Verbindungen

In der öffentlichen Diskussion wird Lithium häufig mit der psychiatrischen Hochdosistherapie gleichgesetzt. Es ist daher wichtig, die Unterschiede zwischen den verschiedenen Lithiumverbindungen zu verstehen.

Lithiumcarbonat (Li₂CO₃)

  • Verschreibungspflichtiges Arzneimittel, zugelassen zur Behandlung bipolarer Störungen
  • Typische therapeutische Tagesdosis: 600-1.200 mg Lithiumcarbonat, entsprechend ca. 113-226 mg elementarem Lithium
  • Enges therapeutisches Fenster, regelmäßige Blutspiegelkontrollen erforderlich
  • Bekannte Nebenwirkungen bei Langzeitanwendung: Schilddrüsenfunktionsstörungen, Nierenbeeinträchtigung, Tremor, Gewichtszunahme
  • Wird über Apotheken abgegeben und unterliegt dem Arzneimittelgesetz

Lithiumorotat (LiC₅H₃N₂O₄)

  • Organische Verbindung aus Lithium und Orotsäure (Vitamin B13)
  • Elementarer Lithiumgehalt: ca. 3,8-4 % des Gesamtgewichts
  • In den USA als Nahrungsergänzungsmittel (dietary supplement) frei erhältlich
  • In der EU gemäß Novel-Food-Verordnung (EU) 2015/2283 nicht als Lebensmittel oder Nahrungsergänzungsmittel zugelassen

Der wesentliche Unterschied liegt in der Dosierung: Während Lithiumcarbonat in der Psychiatrie in Dosen von über 100 mg elementarem Lithium pro Tag eingesetzt wird, bewegen sich die in der Forschung untersuchten Mengen für organische Lithiumverbindungen in einem deutlich niedrigeren Bereich.

Der Orotsäure-Carrier: Was Lithium Orotate von anderen Lithiumsalzen unterscheidet

Orotsäure (auch als Vitamin B13 bezeichnet) ist eine natürlich vorkommende Substanz, die im Körper an der Pyrimidinsynthese beteiligt ist. Bereits in den 1970er Jahren stellte der deutsche Arzt Hans Nieper die Hypothese auf, dass Orotsäure-Salze biologische Membranen leichter passieren und Mineralstoffe effizienter in Zellen transportieren könnten als anorganische Salze.

Eine frühe Tierstudie von Kling et al. (1978) zeigte, dass Lithium Orotate bei gleicher Dosis zu höheren Lithiumkonzentrationen im Gehirn führte als Lithiumcarbonat. Diese Beobachtung wurde bisher nicht in kontrollierten Humanstudien repliziert. [diskutiert in: Pacholko & Bekar, Brain Behav, 2021]

Ein systematisches Review aus dem Jahr 2021 fasst die präklinische Evidenz zusammen: Lithium Orotate könnte aufgrund seiner organischen Trägerstruktur eine höhere zerebrale Bioverfügbarkeit aufweisen. Allerdings betonen die Autoren, dass die Datenlage dünn ist und insbesondere Bedenken hinsichtlich der Nierentoxizität in einer älteren Studie (Smith & Schou, 1979) zur Einstellung weiterer Forschung geführt hatten - allerdings bei Dosierungen, die weit über den heute diskutierten Mengen lagen.

Ein präklinisches Preprint der University of Saskatchewan (2022) verglich Lithium Orotate und Lithiumcarbonat direkt in einem Mausmodell für Manie. Die Autoren berichten, dass Lithiumorotat im Tiermodell bei niedrigerer Dosierung vergleichbare Effekte zeigte. Es handelt sich um ein Preprint, das noch nicht peer-reviewed veröffentlicht wurde. [University of Saskatchewan, bioRxiv, 2022]

Eine toxikologische Bewertung, veröffentlicht 2021 in Regulatory Toxicology and Pharmacology, fand in standardisierten Genotoxizitätstests keine Hinweise auf ein genotoxisches Potenzial von Lithium Orotate. In einer 28-tägigen oralen Studie an Ratten wurden bei der höchsten getesteten Dosis (400 mg/kg Körpergewicht/Tag) keine Anzeichen von Toxizität und keine Zielorgane identifiziert. Die Autoren weisen darauf hin, dass die Studie von einem Hersteller von Lithiumorotat-Produkten finanziert wurde. [Murbach et al., Regul Toxicol Pharmacol, 2021]

Aktuelle Forschungslage und Ausblick

Die Forschung zu Lithium als natürlich vorkommendes Element und speziell zu Lithium Orotate hat in den letzten Jahren deutlich an Dynamik gewonnen. Folgende Entwicklungen sind hervorzuheben:

Bildgebung: Lithium im Gehirn nachweisbar

Eine Studie von 2024 konnte mittels 7-Lithium-MRT erstmals Lithium im menschlichen Gehirn nach Einnahme sehr niedriger Dosen nachweisen. Die Lithiumsignal-Intensität war nach zwei bis vier Wochen stabil. Bemerkenswert: Einige Individuen zeigten deutlich höhere Gehirn-Lithium-Signale als andere, was auf individuelle Unterschiede in der Aufnahme oder Verteilung hindeuten könnte. [J Affect Disord, 2024]

Klinische Studien: Was noch fehlt

Trotz der Hinweise aus präklinischen und epidemiologischen Daten fehlen bisher große, randomisierte, placebokontrollierte klinische Studien mit Lithium Orotate am Menschen. Die bestehenden Humanstudien - insbesondere die Arbeiten von Sartori (1986) zur Alkoholabhängigkeit und Nieper (1973) zur klinischen Anwendung - weisen erhebliche methodische Schwächen auf.

Das Harvard-Team um Yankner plant eine klinische Studie mit Lithium Orotate bei Alzheimer-Patienten. Bis deren Ergebnisse vorliegen, bleibt die Evidenzlage für den Menschen vorläufig und unvollständig.

Rechtliche Einordnung in Deutschland und der EU

Die rechtliche Situation von Lithium Orotate in der Europäischen Union ist eindeutig:

  • Kein zugelassenes Lebensmittel: Lithium Orotate ist gemäß der Novel-Food-Verordnung (EU) 2015/2283 in der EU nicht als Lebensmittel oder Nahrungsergänzungsmittel zugelassen.
  • Keine EFSA-Health-Claims: Für Lithium existieren keine von der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) zugelassenen gesundheitsbezogenen Aussagen.
  • Kein Arzneimittel: Im Gegensatz zu Lithiumcarbonat unterliegt Lithiumorotat nicht dem Arzneimittelgesetz und wird nicht über Apotheken abgegeben.
  • Deklaration als Laborchemikalie: In Deutschland wird Lithiumorotat von einigen Anbietern als Laborchemikalie deklariert und verkauft. Die rechtliche Bewertung dieser Praxis hängt vom Einzelfall ab und kann je nach Vermarktung und erkennbarer Zweckbestimmung unterschiedlich ausfallen.

In den USA wird Lithiumorotat als Nahrungsergänzungsmittel (dietary supplement) eingestuft und ist dort frei verkäuflich.

Allgemeine Qualitätsmerkmale von Lithium Orotate als Reinsubstanz

Unabhängig vom Verwendungszweck gibt es allgemeine Qualitätsmerkmale, anhand derer sich die Beschaffenheit von Lithium Orotate als Reinsubstanz beurteilen lässt:

  • Reinheitsgrad: Wird in Prozent angegeben und beschreibt den Anteil der Zielsubstanz am Gesamtprodukt. Je höher der Reinheitsgrad, desto geringer der Anteil an Verunreinigungen oder Nebensubstanzen.
  • Analytische Dokumentation: Ein Certificate of Analysis (CoA) eines unabhängigen Labors dokumentiert die tatsächliche Zusammensetzung und Reinheit einer Charge. Es ist das zentrale Dokument zur Qualitätsbeurteilung chemischer Substanzen.
  • Schwermetallanalyse: Die Prüfung auf Blei, Quecksilber, Cadmium und Arsen ist bei Reinsubstanzen Standard. Grenzwerte orientieren sich an pharmazeutischen oder lebensmittelrechtlichen Vorgaben.
  • Herstellungsstandards: Zertifizierungen wie ISO oder HACCP geben Auskunft über die Produktionsbedingungen und die Rückverfolgbarkeit einzelner Chargen.
  • Lagerung und Verpackung: Lichtempfindliche Substanzen erfordern UV-geschützte Behältnisse. Bei Lösungen ist zudem eine geeignete Dosiermöglichkeit relevant.

Zusammenfassung

Die wissenschaftliche Auseinandersetzung mit Lithium hat in den letzten Jahren eine bemerkenswerte Entwicklung durchlaufen. Was früher ausschließlich als psychiatrisches Medikament betrachtet wurde, rückt zunehmend als natürlich vorkommendes Element mit potenzieller biologischer Bedeutung in den Fokus der Forschung.

Die wichtigsten Erkenntnisse im Überblick:

  • Epidemiologische Studien aus zahlreichen Ländern zeigen einen inversen Zusammenhang zwischen Lithiumspuren im Trinkwasser und Suizidraten sowie Demenzhäufigkeit - wobei es sich um Korrelationen handelt, nicht um Kausalbelege
  • Die Harvard-Nature-Studie 2025 hat erstmals gezeigt, dass Lithium natürlich im Gehirn vorkommt und bei Alzheimer-Vorstufen als erstes Metall signifikant reduziert ist - diese Erkenntnisse stammen aus post-mortem Analysen und Tiermodellen
  • Lithium Orotate unterscheidet sich chemisch grundlegend von Lithiumcarbonat, das in der psychiatrischen Hochdosistherapie mit bekannten Nebenwirkungen wie Schilddrüsen- und Nierenbeeinträchtigungen assoziiert ist
  • Im Harvard-Tiermodell zeigte Lithium Orotate Vorteile gegenüber Lithiumcarbonat, da es von Amyloid-Plaques weniger gebunden wird - kontrollierte klinische Studien am Menschen fehlen jedoch bisher
  • In der EU ist Lithium Orotate nicht als Nahrungsergänzungsmittel zugelassen und wird als Laborchemikalie deklariert

Häufig gestellte Fragen zu Lithium Orotate

Ist Lithium Orotate in Deutschland legal?

Lithium Orotate ist in Deutschland und der EU nicht als Lebensmittel oder Nahrungsergänzungsmittel zugelassen. Es fällt unter die Novel-Food-Verordnung (EU) 2015/2283 und darf nicht als Nahrungsergänzungsmittel verkauft werden. Einige Anbieter deklarieren es als Laborchemikalie. In den USA ist Lithium Orotate hingegen als dietary supplement frei verkäuflich.

Was ist der Unterschied zwischen Lithiumorotat und Lithiumcarbonat?

Lithiumcarbonat ist ein verschreibungspflichtiges Arzneimittel zur Behandlung bipolarer Störungen mit Tagesdosen von 600-1.200 mg (ca. 113-226 mg elementares Lithium). Lithiumorotat ist eine organische Verbindung aus Lithium und Orotsäure mit einem elementaren Lithiumgehalt von nur ca. 3,8-4 %. In den USA wird es in deutlich niedrigeren Dosierungen als Nahrungsergänzungsmittel angeboten. Die Verbindungen unterscheiden sich grundlegend in Dosierung, Anwendung, regulatorischem Status und Nebenwirkungsprofil.

Was hat die Harvard-Studie 2025 zu Lithium herausgefunden?

Die im August 2025 in Nature veröffentlichte Studie des Teams um Bruce Yankner zeigte erstmals, dass Lithium natürlich im menschlichen Gehirn vorkommt und bei leichter kognitiver Beeinträchtigung (MCI) als einziges von 27 untersuchten Metallen signifikant reduziert ist. Im Tiermodell konnte Lithiumorotat Alzheimer-Pathologie rückgängig machen. Klinische Studien am Menschen stehen jedoch noch aus.

Gibt es Nebenwirkungen bei Lithiumorotat?

Die wissenschaftliche Datenlage zu Nebenwirkungen von Lithiumorotat in niedrigen Dosierungen ist begrenzt. Eine toxikologische Bewertung von 2021 fand in standardisierten Tests keine Hinweise auf Genotoxizität, und in einer 28-tägigen Rattenstudie wurden bei der höchsten getesteten Dosis keine Anzeichen von Toxizität identifiziert. Allerdings fehlen große Langzeitstudien am Menschen. Die bekannten Nebenwirkungen der psychiatrischen Hochdosistherapie mit Lithiumcarbonat (Schilddrüse, Nieren) sind nicht direkt auf niedrig dosiertes Lithiumorotat übertragbar, können aber auch nicht ausgeschlossen werden.

Gibt es einen Zusammenhang zwischen Lithium im Trinkwasser und psychischer Gesundheit?

Ja, auf Bevölkerungsebene. Eine Meta-Analyse im British Journal of Psychiatry (2020) fand einen konsistenten inversen Zusammenhang zwischen höheren natürlichen Lithiumkonzentrationen im Trinkwasser und niedrigeren Suizidraten. Ähnliche Trends wurden für Demenzraten beobachtet. Es handelt sich jedoch um Korrelationsstudien - ob Lithium ursächlich für die niedrigeren Raten verantwortlich ist, kann daraus nicht abgeleitet werden.

Worauf sollte man bei der Qualität von Lithiumorotat achten?

Zentrale Qualitätsmerkmale sind der Reinheitsgrad (idealerweise über 99 %), ein unabhängiges Certificate of Analysis (CoA), Schwermetallanalysen auf Blei, Quecksilber, Cadmium und Arsen, nachvollziehbare Herstellungsstandards (ISO, HACCP) sowie eine lichtgeschützte Verpackung bei Lösungen.


Haftungshinweis

Dieser Artikel dient ausschließlich der sachlichen Information über die Forschungslage zu Lithium als natürlich vorkommendes Element und zur chemischen Verbindung Lithiumorotat. Er stellt keine medizinische Beratung dar und enthält keine Empfehlungen zu Anwendung, Dosierung oder Wirkung. Die dargestellten Forschungsergebnisse stammen überwiegend aus Tiermodellen und epidemiologischen Beobachtungsstudien. Kontrollierte klinische Studien am Menschen stehen weitgehend aus.

Lithiumorotat ist in der EU nicht als Lebensmittel oder Nahrungsergänzungsmittel zugelassen. Konsultieren Sie bei gesundheitlichen Fragen stets einen Arzt oder Apotheker.


Quellenverzeichnis

[1] Aron L, Ngian ZK, Qiu C, et al. Lithium deficiency and the onset of Alzheimer's disease. Nature. 2025;645(8081):712-721. PubMed

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